Rasseauswahl

Beweggründe für den Parson Russell


Während für die Züchter in der Vergangenheit die verschiede-nen herausragenden Fähigkeiten der einzelnen Hunderassen im Vordergrund standen, traten mit dem Aufkommen der Zuchtvereine im 19. Jahrhundert andere Maßstäbe in den Focus von Züchter und Käufer: Weniger die Leistung sondern das vielmehr das Aussehen der Tiere wurde Ziel der Zucht!

 

Anstelle der für Arbeitshunde erforderlichen Qualitätskontrolle durch das Erbringen von Leistungen traten Menschen ge-machte Schönheitsideale. Und so kennen wir heute rund 400 Hunderassen, die sich in ihren phänotypischen Merkmalen deutlich unterscheiden - kein anderes Haustier ist vom Menschen in seiner Gestalt stärker manipuliert worden.

 

Besonders begehrt wurden Tiere, die ihr kindliches Aussehen auch im adulten Stadium beibehielten. Ein runder Schädel und eine möglichst kurze Schnauzenpartie wurden bei etlichen Rassen zur Mode, die bis hin zur Überinterpretation des Rasse-standards getrieben wurde.

 

 

Von der Einzucht einer solchen Hunderasse  MUSSTE der Mops profitieren, was seine körperliche Gesundheit und Vitalität betrifft (trotzdem, bitte die Szene im Film nicht nachmachen, da die Aufnahmen aus einem Fahrzeug in der Geschwindigkeit  nicht ungefährlich für den Hund sind...):

 

 

So repräsentiert die große Population des Labrador Retrievers von rund 98.000 Tieren genetisch nur ganze 114 Hunde, bei den Boxern sind es bei 45.500 der insgesamt untersuchten Hunden sage und schreibe nur 45 Exemplare! Beim Mops sieht es ähnlich katastrophal aus:  die geschätzten etwa 10.000 Exemplaren auf dem britischen Mutterland als Wiege der Rassehundezucht, von denen letztlich auch unsere Standard-möpse abstammen(!), gehen lt. einer wissenschaftlichen Studie des renommierten Imperial College, London allesamt auf ganze 50 Einzelindividuen zurück! Da KANN es keine genetische Vielfalt mehr geben!  WANN wollen wir endlich aufwachen und der genetischen Realität ins Gesicht sehen?

 

Die Anzahl der einzelnen Individuen lässt eben NICHT zwangs-läufig auf einen großen Genpool und eine damit verbundene genetische Varianz schließen!  

 

Die sicherlich größte gesundheitliche Beeinträchtigung des Mopses besteht in seiner Rundköpfigkeit, die zu ernstzunehm-enden Problemen der oberen Atemwege führen kann. Diese Problematik wird zusammenfassend als brachycephales Atemnotsyndrom (BAS) bezeichnet. Dieser seit Jahrzehnten in Züchterkreisen bekannten, viel diskutierten aber bislang noch nicht annähernd einer befriedigenden Lösung zugeführten Problematik galt es effektiv und vor allem zeitnah zu be-gegnen. Wieviele Jahrzehnte lang sollten noch tausende von Hunden geboren werden, die unter BAS leiden?

 

Dabei gibt es einen in der Haustierzucht durchaus bewährten Zuchtweg, nämlich die Einzucht einer Fremdrasse unter anschließender Rückzucht auf die entsprechende Ausgangs-rasse - hier: den Mops! Auf diesem Wege ist eine Rückkehr zum gemäßigten Mopstypus in einem durchaus akzeptablen Zeitrahmen zu bewerkstelligen, denn die Merkmale des Rassetyps gehören grundsätzlich zu den stark heritablen (stark vererbbaren) Merkmalen, die sich züchterisch durch gewissen-hafte Selektion gut beeinflussen lassen.

 

 

Bei einer Einzuchtmaßnahme besteht also grundsätzlich die Gefahr, dass durch die eingekreuzten Hunde Gendefekte in eine Population eingebracht werden, die bislang möglicher-weise nicht vorhanden waren. Und längst nicht alle genetischen Erkrankungen lassen sich im Vorfeld austesten.... Bei der Auswahl der zur Einzucht kommenden Tiere einer Fremdrasse war daher neben der Auswahl des einzelnen Hundes ganz besonders auf die Auswahl der Rasse zu achten. 

 

Nicht unberücksichtigt bleiben durfte auch die Tatsache, dass viele Rassen den Retromops in seiner Physiognomie – und sei es auch erst in späteren Generationen – von dem Erschei-nungsbild „Mops“ wegführen würden, sei es durch eine extreme Größenveränderung oder eine Veränderung des Haar-kleides. Ausdrücklich untersagt ist nach unserer Zuchtordnung daher u.a. die Einzucht von besonders klein- bzw. groß-wüchsigen Rassen oder solchen mit langem, gelocktem oder geschnürten Haarkleid.

 

 

Diese züchterische Selektion führte zum einen zu einer erheblichen Reduktion der genetischen Varianz: die Ent-schlüsselung des hundlichen Genoms im Jahre 2004 offen-barte die geringste genetische Varianz bei Rassen wie dem Boxer, dem deutschem Schäferhund und dem Mops. Zum anderen bedeutete sie zunehmend auch eine Einschränkung von Funktionalität und Gesundheit.

 

Eine heutige Selektion auf wieder prominentere Schnauzen-partien, die mehr Platz für Zunge und Gaumensegel lassen, auf weitere Nasenlöcher und einem festen, funktionalen knor-peligen Gerüst betreffend den gesamten Atemwegstrakt, der nicht mehr der Gefahr des Trachealkollapses unterliegt und zudem alle anderen nicht unerheblichen mopstypischen Erkrankungen berücksichtigend, ist vor diesem Hintergrund - meiner Meinung nach - aussichtslos, oder wie hoch soll die Inzuchtdepression beim Mops mit all den damit verbundenen negativen Folgen noch steigen? Und Gene bzw. die dahinter-stehenden Merkmale, die einmal ausselektiert wurden, wachsen nunmal nicht mehr nach. Sie sind unrettbar für die jeweilige Hundepopulation verloren!

 

Immer wieder wird gewissen Züchterkreisen und in einschlä-gigen Foren darauf hingewiesen, dass es "doch so viele Hunde einer bestimmten Rasse gäbe und dass man doch da genug Auswahl habe:" - Nur: Erst 2008 brachte eine Untersuchung an 2,2 Millionen Hunden aus zehn Rassen im Auftrag des Kennel Clubs - wieder einmal -ein extrem hohes Inzuchtniveau ans Tageslicht.

 

 

Nur, welche Rasse sollte für eine Einzuchtmaßnahme infrage kommen?

 

Zunächst musste sie all die Eigenschaften im Positiven aufweisen, die bei dem heutigen Standardmops Mängel behaftet sind: 

- eine gut ausgebildete Schnauzenpartie mit weiten, offenen Nasenlöchern,

- gut in den Schädel eingebetteten und damit geschützten Augen,

- eine sportliche, gut bemuskelte Figur mit festem Binde-gewebe,

- eine robuste Gesundheit und eine hohe Vitalität.

 

Darüber hinaus war zu beachten, dass viele Hunderassen mit ein oder mehreren genetisch bedingten Gesundheitsproblemen in mehr oder weniger starkem Ausmaß belastet sind. Beispiel-haft seien hier die Syringomyelie beim Cavalier King Charles genannt, welche die gesamte Rasse durchsetzt.  

 

 

Leistung UND Kooperationsbereitschaft: der Parson Russell: 

 

Unter Abwägung der vorgenannten Gesichtspunkte wurde letztlich primär der Parson Russell Terrier zur Einzucht ausgewählt. (Was nicht bedeuten soll, dass nicht auch andere Rassen geeignet wären; so hat unsere Züchtergemeinschaft neben dem Pischer mittlerweile auch den Beagle und den Patterdale Terrier zur Einzucht anerkannt). Der Parson Russell gehört zu den wenigen Hunderassen die bislang nie ausschließlich auf „Showschönheit“ sondern immer auch auf Arbeitstauglichkeit sprich Leistung und damit zwangsläufig auf Gesundheit gezüchtet wurden. Er bietet körperlich genau das, was dem heutigen Mops abhanden gekommen ist. 

 

Der Parson Russell ist zudem als Familienhund ein beliebter und intelligenter kleiner Begleiter - wie der Mops. Aus einer guten Zucht kommend und richtig geführt ist diese Rasse zwar lebhaft und agil aber keinesfalls kopflos oder unkontrollierbar. Im Gegenteil, ein solcher Hund musste schließlich „arbeiten“ – was neben einer gewissen und nicht abzustreitenden terriertypischen Eigenständigkeit auch eine große Koope-rationsbereitschaft voraussetzte. 

 

Der Parson ist zwar ein Jagdhund, aber sein besonderer Jagd-trieb ist eine säuberlich züchterisch zu bewahrende Speziali-sierung, die anderenfalls in kommenden Generationen ver-schwindet. Über die Einzucht einer diesbezüglich eher des-interessierten Rasse wie dem Mops wird eine solche Speziali-sierung in kürzester Generationenfolge eliminiert. Übrig bleibt ein normaler Jagdinstinkt, den jeder Hund - auch ein Gesell-schaftshund - in sich trägt und der erzieherisch sehr gut zu beeinflussen ist.

 

An dieser Stelle sei angemerkt, dass züchterisch speziell zu pflegende Merkmale wie eine ausgeprägte Jagdpassion schon in der ersten Nachzuchtgeneration - der sog. F1-Generation -weitgehend verblassen. Nach Malcolm B. Willis ("Genetik der Hundezucht") sind Spezialveranlagungen und darunter fällt eben auch die ausgeprägte Jagdpassion rasseabhängig zwischen 10 und 30 % vererbbar. Dies lässt sich leicht nachvollziehen, wenn man sich einige ethologische Fakten vor Augen führt: mittels züchterischer Selektion wurden im Laufe der Jahrhunderte verschiedene Hunderassen mit unter-schiedlichen Aufgaben geschaffen. Damit sind die einzelnen, vom Menschen geschaffenen Rassen deutlich jünger als Arten. Die Tierart Hund dürfte um die 10.000 Jahre sein, das Alter der verschiedenen Hunderassen variiert zwischen wenigen Jahrhunderten bis zu wenigen Jahrzehnten. Daraus folgt, dass rassetypisches Verhalten  in der Regel instabiler vererbt wird, als arttypisches Verhalten. Die von Willis angesprochene Spezialisierung innerhalb einzelner Rassen (Jagd-, Schutz-, Hüteverhalten pp.) ist damit so instabil, dass sie nur erhalten bleibt, wenn sie ständigem Selektionsdruck durch die Züchter unterliegt. Ändern sich nun die Selektionskriterien in der Zucht (vgl. z.B. die sog. Leistungs- mit der Showzucht, die es bei diversen Rassen gibt), ist eine zuvor "herausgezüchtete" Spezialisierung schnell dahin.

 

 

  

Unten: Sehenswerter Beitrag über den Parson Russell, der unsere züchterischen Überlegungen in jeder Hinsicht bestätigt:

 


 

 

Unter Abwägung der bereits oben genannten Gesichtspunkte wurde letztlich primär der Parson Russell Terrier zur Einzucht ausgewählt.

 

Er bietet - wie oben bereits geschildert - körperlich genau das, was dem heutigen Mops abhanden gekommen ist.

 

 

  

Die Nachzuchten hieraus profitieren deutlich von dieser Zuchtmethode:

 

- Durch die tieferen Augenhöhlen stehen die Augäpfel nicht aus dem Gesicht hervor.

 

- Die Schnauzen sind prominenter und ohne dicke Nasenfallte

 

- Die Nasenlöcher zeigen wieder eine runde, offene Form.

 

- Längere Hälse und Rücken machen krankhafte Veränderun-gen an den Wirbelkörpern, z.B. Keilwirbel, unwahrscheinlicher.

 

- Das Bindegewebe wird durch unsere Einzuchtmaßnahmen fester, wodurch auch innerliche Strukturen wie der Atemtrakt aber auch der Bänder- und Gelenkapparat wieder belastbarer werden.

 

- Die Bauchlinie ist hinter der Brust zu den Flanken hin aufgezogen.

 

- Eine insgesamt straffe Figur mit einer guten Winkelung der Hinterhand bestimmt das Bild.

 

 

Die Erhöhung der Anteile heterozygoter Gene vermindert im Vergleich zur Reinzucht das Risiko einer Inzuchtdepression, in der mit vermindert leistungsfähigen Tieren und mit Erbfehlern geschädigten Nachzuchten gerechnet werden muss. Weitere Nachzuchten können ohne unmittelbare Selektion des Züchters natürlich starke Varianzen aufweisen.

 

Hier greift unsere gemeinsame Arbeit durch die verbindlich verpflichtende Beachtung der Zuchtregularien, der Doku-mentation der Ahnen mittels aussagekräftiger Zuchtpapiere und eines beständig fortgeführten zentralen Zuchtbuchs und der Beratung hinsichtlich der vielversprechendsten Zuchttier-kombinationen und Zuchtstrategien.  

 

DISKONTINUIERLICHE KREUZUNGSZUCHT

Der weg zum Erfolg


Die sicherlich größte gesundheitliche Beeinträchtigung des Mopses besteht in seiner Rundköpfigkeit, die zu ernst-zunehmenden Problemen der oberen Atemwege führen kann. Diese Problematik wird zusammenfassend als brachycephales Atemnotsyndrom (BAS) bezeichnet.

 

Unsere Zuchtgemeinschaft entstand mit dem Ziel, den heutigen Standardmops aus dem Extrem des Standards zu führen, ohne dass er seine mopstypischen Eigenschaften verliert. Zu diesem Zweck verfolgen wir einen in der Haustierzucht sehr bewährten und in Fachkreisen durchaus sehr bekannten Zuchtweg, nämlich die Einzucht einer Fremdrasse unter anschließender Rückzucht auf die Rasse Mops. 

 

Bei der Auswahl der zur Einzucht geeigneten Rasse waren verschiedene Überlegungen anzustellen. Sie musste zunächst all die Eigenschaften im Positiven aufweisen, die bei dem heutigen Standardmops Mängel behaftet sind: eine gut ausgebildete Schnauzenpartie mit weiten, offenen Nasen-löchern, gut in den Schädel eingebetteten und damit ge-schützten Augen, eine sportliche und eine gut bemuskelte Figur mit festem Bindegewebe. 

 

 

Der Parson  Russell ist zudem als Familienhund ein ge-schätzter und intelligenter kleiner Begleithund - wie der Mops.

 

Durch diese Einzuchtmaßnahmen entstehen wieder deutlich weniger rundköpfige Mopshunde, bei denen die ehemals über-mäßig verkürzten Körperkonturen des sogenannten Mops-quadrats zur Normalität zurückgeführt wurden..

 

Ein solcher Hund ist wieder fähig und in der Lage, sich selbst zu reinigen und zu Pflegen; seine Beweglichkeit entspricht insoweit vergleichbaren Kleinhunderassen. 

  

Unsere Zucht beschreibt den Weg einer diskontinuierlichen, nicht terminalen Kreuzungszucht, die es uns erlaubt, unsere Strategien von Generation zu Generation anzupassen.