No Show!

Grundsätze der Zucht


Die Züchter unserer Zuchtgemeinschaft lehnen das Aus-stellungswesen für den Retromops ab. Auch gibt es bei uns KEINE Ausstellungen zum Zwecke der Zuchtzulassung!

 

Warum haben wir uns eine solche "Negativverpflichtung" auferlegt?

 

 

1. Konkurrenz mündet leicht in Rivalität

  

Die lizenzierten Züchter unserer Zuchtgemeinschaft arbeiten  einvernehmlich an einem neuen "alten" Rassebild des Mopses. Ein Konkurrenzverhalten nach dem Motto "Wer hat den schönsten Hund?" wollen wir vor diesem Hintergrund erst gar nicht aufkommen lassen. 

 

  

 

 

3. Das "Popular Sires-Syndrom"

 

Ein sog. "Popular Sire" ist ein sehr häufig eingesetzter Deck-rüde. Die gezielte und häufigere Verwendung guter Deckrüden ist zunächst für sich gesehen nichts Negatives - insbesondere dann nicht, wenn der Deckeinsatz von einer Nachzucht-kontrolle begleitet wird, mit der negative genetische Einflüsse möglichst frühzeitig erfasst und beseitigt werden können. 

 

Im heutigen Zeitalter der Showhundezucht ist es in den meisten Fällen allerdings so, dass ein Rüde nicht aufgrund seiner Leistung, die ja durchaus ein Indiz für Gesundheit sein kann, zum "Popular Sire" wird, sondern weil er erfolgreich auf Ausstellungen vorgestellt wurde: Besonders hoch prämierte Rüden werden in der Regel bevorzugt in der Zucht nachgefragt, denn Welpen hoch prämierter Elterntiere lassen sich schließlich auch besser verkaufen. 

 

Ein solcher Zuchteinsatz begünstigt nicht nur den Anstieg des Inzuchtkoeffizienten und den damit verbunden Verlust an genetischer Vielfalt sondern auch die Verbreitung rezessiv vererbbarer Erkrankungen, falls ein häufig genutzter Deckrüde ein rezessives Defektgen trägt. Erschwerend kommt hinzu, dass rezessive Gene zumeist etliche Generationen hinweg unerkannt bleiben bevor sie sich zum ersten Mal im Phänotyp eines Tieres zu erkennen geben. 

 

Wir vertreten daher die Auffassung, dass ein Ausstellungs-wesen die Problematik der "Popular Sires" verschärft.

 

 

 

Patrick Burns - Autor des Buches "American Working Terriers" und engagierter Kritiker des Showhundewesens - äußert sich zu dem Dilemma des Ausstellungswesens wie folgt:

 

"Hundeausstellungen, die den Formwert beurteilten, beschleu-nigten die Reise in die Homogenität. Ziel solcher Ausstellun-gen ist Gleichförmigkeit - eine ganze Gruppe von nullacht-fünfzehn Hunden, die einander so ähnlich wie nur möglich sehen. Das erreicht man am leichtesten, indem man Champion mit Champion paart, alles ausmerzt, was nicht konform ist und dann Inzucht und Linienzucht benutzt, um den "Typ" noch weiter herauszuarbeiten. Als direkte Folge der Schönheits-shows und dem übermäßigen Einsatz männlicher Champions, wurde der genetische Engpass, der mit der Schaffung jeder Hunderasse begann, noch weiter verkleinert. Und diesgeht mit einer stetigen Fitnessminderung einher, die sich in vielerlei Aspekten zeigt: Die Fruchtbarkeit sinkt, die Lebenszeit verkürzt sich, Gesundheit und Widerstandsfähigkeit nehmen ab, und vor allem verliert der Organismus seine Anpassungsfähigkeit an wechselnde und belastende Umwelteinflüsse: Autoimmun-erkrankungen, Allergien und Krebserkrankungen nehmen zu...."

 

Abschließend möchte ich an dieser Stelle den renommierten Kynologen Hellmuth Wachtel zum Thema Ausstellungswesen zu Wort kommen lassen:

 

"Noch immer spricht man von "Verbesserung" der Hunde-rassen, doch dabei handelt es sich heute immer öfter um Karikierung und Qualzucht. Und diese Entwicklung hat der Ringrichter nicht nur nicht verhindert, sondern vielmehr ganz wesentlich mitverursacht! Kurz und gut, dieses System hat sich nicht bewährt, und das hätte man voraussehen oder wenigstens rechtzeitig abbremsen müssen!" 

(aus: Hellmuth Wachtel, Rassehund wohin?, Kynos Verlag 2012)

 

Unter Berücksichtigung dieser Gesichtspunkte werden Sie verstehen, warum es auch für mich persönlich heißen MUSS: No Show!

 

  

2. Das Ausstellungswesen als Ursache von Übertypisierung und Defektzucht

 

Während für die Züchter in der Vergangenheit die verschiede-nen Fähigkeiten der einzelnen Hunderassen im Vordergrund standen, traten mit dem Aufkommen der Zuchtvereine und des Ausstellungswesens im 19. Jahrhundert andere Maßstäbe in den Focus von Züchter und Käufer:

 

Anstelle der für Arbeitshunde erforderlichen Qualitäts- und damit folglich Gesundheitskontrolle durch das Erbringen von Leistungen traten menschengemachte Schönheitsideale. So fand die erste Rassehundeschau im Jahre 1859 in Groß-britannien statt; die erste Ausstellung in Deutschland ereignete sich 1863 in Hamburg. Gemessen an der Anzahl ausgestellter Hunde ist die vom britischen Kennel Club organisierte Crufts die größte Hundeausstellung der Welt, während die größte Ausstellung innerhalb der FCI die Welthundeausstellung (World Dog Show) ist. 

 

Im Januar 2010 wurde in eine wissenschaftliche Untersuchung unter der Leitung des Zoologen Sir Patrick Bateson, der sog. "Bateson-Report" veröffentlicht. Der Report zeigt auf, wie Ausstellungen und die Richterentscheide die einzelnen Hunde-rassen stark negativ beeinflussen können, was durch die teils massiven Veränderungen im Phänotyp einzelner Rassen belegt wird. 

 

Unsere Zuchtgemeinschaft vertritt wie viele Kritiker der Szene die Auffassung, dass es auch und gerade das Ausstellungs-wesen war, das den Mops ins ungute Extrem geführt hat. Diese Erkenntnis schließt für uns als Züchter  eine Teilnahme an Hundeschauen aus.

 

 

 

 

4. Unvereinbarkeit von Ausstellungswesen und Kreuzungszucht

 

Unsere Zuchtgemeinschaft beschreitet den Weg, gezielt Fremdrasse in den Mops einzukreuzen und selbstverständlich weicht ein Teil der Nachzucht in den ersten Generationen vom Typus der Ausgangsrasse ab. Genau hier findet sich die Problematik des Showwesens: 

 

Da der zu verleihende Siegertitel letztlich nichts über die Gesundheit des zu beurteilenden Hundes und wenig über seinen Zuchtwert aussagt, sondern vielmehr den ganz persönlichen Geschmack einzelner Personen widerspiegelt, würden mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit Retromopstypen, die noch deutlich den Einfluss der Fremd-rasse zeigen, zu den weniger gut prämierten Tieren gehören. Doch es sind gerade diese, noch deutlich Fremdblut beein-flussten Tiere, die in der Regel züchterisch für uns besonders wertvoll sind. Ausstellungserfolge oder -misserfolge würden demgemäß für den Laien hier ein völlig falsches Bild wider-spiegeln.

 

Wir beschreiten den Zuchtweg einer diskontinuierlichen, nicht terminalen Kreuzungszucht. Ein Ausstellungswesen widerspricht einem solchen Zuchtweg nicht nur, sondern würde ihn geradezu torpedieren.