"Verkaufen Sie auch an Züchter?"

Oder: Von Lippenbekenntnissen und Feigenblättern

Die Frage ob wir unsere Hunde auch an Züchter verkaufen, wurde besonders im letzten halben Jahr ganz vermehrt an unsere Züchtergemeinschaft herangetragen, wobei ein Großteil dieser Anfragen aus dem benachbarten Ausland wie den Niederlanden, Dänemark, Schweden oder Norwegen stammte. 

 

Die Antwort lautete in allen Fällen:

"Selbstverständlich.... ABER...."

 

Bevor wir nun auf das "ABER..."  zu sprechen kommen, betrachten wir doch erst einmal den Begriff "Zucht" und was er tatsächlich und objektiv und nicht in der beschönigenden Eigenversion der Menschen bedeutet, die eben einfach so - ohne Zuchtverband und Kontrolle - Welpen aus ihrer Hündin produzieren:

 

Als Zucht wird in der Biologie die kontrollierte Fortpflanzung mit dem Ziel der genetischen Umformung bezeichnet. Dabei sollen gewünschte Eigenschaften verstärkt und unerwünschte Eigenschaften für die Zukunft der Rasse beseitigt werden. Umgesetzt wird dieses Ziel, in dem man wohlüberlegte Verpaarungen vornimmt und weniger qualitätsvolle Tiere gar nicht erst zur Zucht zulässt (Stichwort Selektion). Im gewünschten Idealfall sollten dann Merkmale wie Typus, Gesundheit und Leistungsfähigkeit im Laufe der Generationen immer "besser" werden. 

 

Aufgabe der Zuchtverbände ist es, diesen Zuchtweg jeden einzelnen ihrer Züchters kontrolliert zu begleiten, eine objektive Bewertung der Zuchttiere und deren Nachzucht durchzuführen (Stichwort: Nachzuchtkontrolle), die Erkenntnisse zentral zu archivieren und aufgrund eben dieser gesammelten Erkenntnisse ein genau definiertes, übergreifendes Zuchtprogramm mit einem bestimmten Zuchtziel festzuschreiben. Dieses Grundkonzept gilt für die Zucht aller Rassen. 

 

Merke: Ohne Zuchtziel gibt es keine Zucht. Ohne gezielte und kontrollierte Zucht werden Hunde lediglich vermehrt. 

 

Damit ist festzuhalten: Echte Zucht zum Zwecke der Rasseverbesserung ist nur in einer strukturierten Gemeinschaft Gleichdenkender und -handelnder möglich und das auch nur dann, wenn die Zuchtergebnisse zentral kontrolliert und archiviert werden! Anderenfalls ist alle Mühe für die Rasse als solche vergebens, denn jeder außerhalb vorgenannter Gemeinschaften und Regularien gezogene Hund - mag er auch noch so schön sein - ist für den Erhalt und die Verbesserung seiner Rasse "verloren". Und das gilt damit auch für seine  u.U. wertvollen genetischen Anlagen. Eine Hunderasse auf diese Weise verbessern zu wollen, bleibt ein reines Lippenbekenntnis!

 

 

Was für die "normale" Rassehundezucht schon gilt, ist für eine "Outcrosszucht" wie die des ZG Retromopses von noch größerer Relevanz! Neben den üblichen Parametern wie Vorfahren und Gesundheitsergebnissen, werden hier auch noch die eingezogenen Rassen und zwar in prozentualer Beteiligung bis buchstäblich "hinter das Komma"  festgehalten und archiviert (vgl. zum näheren Verständnis den Artikel "Mops und Genetik"). Und erst im Rahmen der Nachzuchtkontrolle wird sich zeigen, ob und wie sich das "Fremdblut" (Anm.: beim ZG Retromops ist die Einzucht von vier Rassen gestattet) bewährt hat. Bei einer Outcrosszucht muss demgemäß vielmehr beobachtet und ausgewertet werden, als bei der Zucht einer Rasse, deren Rassebild längst gefestigt ist.

 

Und damit sind wir schon bei der ersten Voraussetzung angelangt, die erfüllt sein muss, damit ein (potenzieller) Züchter von uns einen Welpen erhält: er muss einem seriösen Zuchtverband angeschlossen sein! Nur unter dieser Voraussetzung ist es überhaupt möglich, dass die "guten Gene" unserer Hunde auch in Zukunft der Rasse erhalten bleiben. Nur so ist es möglich, dem hohen Ziel, dem wir uns als Züchtergemeinschaft schon vor Jahren verschrieben haben und das als Legitimation für unseren Zuchtweg des Outcross gilt, zu entsprechen: Die Rasse Mops zu verbessern - nachzulesen in § 1 unserer Zuchtordnung! Wir gehen sogar soweit zu sagen, dass wir an (potenzielle) Züchter verkaufen MÜSSEN, damit unsere Zuchtform überhaupt eine Zukunft hat! Anderenfalls wäre das von uns formulierte Zuchtziel, die Rasse Mops zu retten, lediglich ein Feigenblatt...

 

Selbstverständlich ist es in Deutschland nicht verboten, ohne Verband und damit unkontrolliert zu vermehren und auch die Motivation für ein solches Handeln mag von unterschiedlichen Gründen getragen sein: Von "Ich liebe es, Welpen aufwachsen zu sehen und kümmere mich gerne um eine gute Aufzucht" bis hin zu "Mir geht es um die Aufbesserung der Haushaltskasse" - legal ist das alles schon, soweit hierbei nicht gegen das Tierschutzgesetz und andere gesetzliche Vorgaben verstoßen wird.

 

Nur eines ist es ganz gewiss nicht: Der richtige Schritt hin zu einer Verbesserung der Rasse!

 

Unsere über Jahre mit viel Engagement, Liebe und Wissen gepflegten Zuchtlinien, die sich ja in der Genetik des einzeln Hundes widerspiegeln, sollen aber auch in Zukunft der Rasse Mops erhalten bleiben - für alles andere - nämlich lediglich "Welpen machen und gut verkaufen" sind uns unsere Hunde zu schade!  

 

Was ist nun ein seriöser Zuchtverband im Sinne unserer Gemeinschaft?

 

Nun ja: hier steht Ehrlichkeit und Transparenz an vorderster Stelle. Bedeutet: Aus dem Zuchtbuch und aus den auszustellenden Ahnentafeln muss sich erkennen lassen, dass mit Fremdblut gearbeitet wurde.

 

Wir unterstützen es nämlich NICHT, dass mit unseren fremdblutbeeinflussten Hunden gezüchtet wird und die so erhaltene Nachzucht unserer Tiere anschließend mit Werbeslogans wie: "Schaut her, geht doch! Man muss nur wissen wie und schon kann man REINRASSIG auch wieder Nase herausselektieren!" vermarktet wird! - Alles schon da gewesen! Ich selbst hatte in der Vergangenheit bereits Welpenanfragen von Züchtern, die groß auf ihrer eigenen Homepage damit werben, "nur reinrassig zu züchten" - weil - "Fremdrasse ja den mopstypischen Charakter verdirbt!" Eine derartige Augenwischerei werden wir selbstverständlich NICHT unterstützen!

 

Und an den Züchter bzw. die Züchterin, dem oder der wir unsere mit viel Liebe und Sachverstand gezogenen Welpen anvertrauen, stellen wir natürlich auch gewisse Anforderungen: Wir setzen fundiertes Wissen über Zucht und Genetik sowie den ehrlichen Willen voraus, wirklich zur Rasseverbesserung beitragen zu wollen! Keinesfalls verkaufen wir an Menschen, bei denen wir den Eindruck haben, es gehe ihnen nur darum "eine schnelle Mark" zu machen! Und das bedeutet letztlich auch, der zukünftige Zuchthund darf nicht nur für die Zucht angeschafft werden: er soll in erster Linie geliebtes Familienmitglied sein und die Züchterfamilie buchstäblich auf allen Wegen begleiten! Und das wäre damit die zweite Voraussetzung , die erfüllt sein muss, damit wir einen unserer Welpen an einen Züchter verkaufen.

 

Am liebsten ist es uns natürlich, dass sich ein solcher (potenzieller) Züchter unserem Zuchtverband anschließt, damit wir die züchterische Fortentwicklung aus erster Hand beobachten können...

 

 

Wenn Sie der Meinung sind, einen guten Hund zu besitzen und/oder an einer ernsthaften Mitarbeit in unserer Züchtergemeinschaft interessiert sind, sprechen Sie mich gerne an!

 

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