Der Weg...

Canis minor MÖPSCHEN unde venis et quo vadis?


von gisa kleinschmidt

Die herkunft?

 

Herkunft und Entstehung der Rasse Mops liegen im Dunkeln. Papier ist geduldig und so kann man vieles lesen – jeder schreibt etwas anderes und jeder nach seiner Facon.

 

Beim Standardmops der heutigen Zeit wird gerne so getan als habe der Herrgott diesen röchelnden kleinen Kerl höchst-persönlich so geschaffen. Dies zu beschreiben, kursieren süßliche Geschichten vom "Möpschen aus feuchtem Ton", das dem Herrn aus den Händen gleitet und nach dem Aufprall von Gott als besonders gelungen empfunden und so belassen wird…

 


 

Die Kynologen sind sich nicht einig. Stammt der Mops nun aus China, aus Südamerika, aus Russland? Holland? England? Südafrika?

 

Theorien gibt es viele – stichhaltige Beweise keine. Es wird mit Jahreszahlen und Herrschernamen jongliert und über frühe Handelsbeziehungen nachgedacht – allein: die Mopsvergangenheit ist nebulös!

  

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Die abstammung?

 

Und weil man so gar nicht weiß, wo der Mops herkam und wie verschlungen seine Wege bis zu uns waren, kann man auch nicht wirklich etwas zu seiner Abstammung sagen. Bei Konfuzius werden lediglich "kurznasige Hunde" erwähnt - in Mittelperu fand man das Skelett eines breitschädeligen, mopsgroßen Hundes mit Vorbiss. Manche sehen den Mops gar als englischen Bulldogabkömmling – die Holland- / Russlandtheorien scheinen überhaupt nicht belegt zu sein.

 

Einzig hieb- und stichfest: Pisanello malt um 1425 einen mopsartigen Hund, andere Künstler fertigen ebenfalls Zeichnungen und Figuren offensichtlich rundköpfiger Kleinhunde. - Und, nur um es in diesem Rahmen anzumerken: Ende des 18. Jahrhunderts wurden, um der damals niedergehenden Rasse wieder etwas Leben einzuhauchen, Hunde wie der Bulldog, der Pinscher und wohl auch der Pekingese eingekreuzt. (Der Pinscher später nach dem 2. Weltkrieg, als es wieder mau mit dem Zuchtbestand aussah, sogar nochmals…)

 

 

...Und die Mopsstatur?

 

Immerhin werden im 18. Jahrhundert Hunde beschrieben, die angeblich Dschingis Khans Reitern folgen konnten, damals mit in Schlachten genommen wurden und so ihren Herrn (Wilhelm von Oranien) vor dem Meuchelmord warnten.

 

Wir reden hier von Hunden, die in einer Schlacht verloren gingen und deswegen angeblich von Belgrad nach Winnenden zum Schloss des Herzogs zu Württemberg zurückliefen!

 

Und es ist die Rede von einem Hund mit dem Mut und dem Vermögen einen Kaiser (Napoleon) in die Wade zu beißen, um das Frauchen zu schützen…

 

Wem würde bei solchen Berichten das Bild des heutigen Standardmopses in den Sinn kommen?

 

 

...und das Mopswesen?

 

Das Vorbeschriebene lässt eher an einen Hund als an einen engelsgleichen Softie mit Mopsphlegma denken – oder?

 

Das, was da beschrieben wird, könnte allerdings heute auf den ZKR Retromops zutreffen, in dessen Beschreibung zu lesen ist:

 

"Wer mit einem ZKR Retromops glücklich sein möchte, muss wissen, dass er einen bewegungsfrohen Gefährten bekommt, der ungern allein bleibt und am liebsten immer mit von der Partie ist. …

Trotz seines freundlichen Wesens und seiner hohen Reiz-schwelle ist der ZKR Retromops durchaus aufmerksam - er ist distanziert genug und auch in der Lage, in brenzligen Situationen für sich und seinen Menschen einzustehen. Dabei ist er zwar wachsam aber weder ein Raufer noch ein Kläffer."

 

Doch zurück in die Vergangenheit: Da verkam dieser toughe kleine Hund Mops.

 

 

der absturz, teil 1

 

Es ging steil mit ihm bergab. Nicht mehr die Königshäuser und der Adel waren seine Schirmherren -  das Bürgertum hatte seine Hände nach ihm ausgestreckt - der Mops wurde zur Mode.

 

Leider war es damals so wie heute: Modehunde wurden von allerlei Leuten gezogen, die sich besser nie mit Hundezucht beschäftigt hätten – und natürlich hatte das Bürgertum kein Interesse an teuer gezüchteten Hundewelpen! So ging der Ruf des Mopses genauso dahin wie seine Qualitäten - die Adeligen und Edlen wandten sich mit Grausen ab. Mit dem, was von ihm übrig geblieben war, war kein Staat mehr zu machen und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde der Mops von namhaften Kynologen schlichtweg verrissen. Sie zeichnen das Bild eines kaum mehr lebensfähigen, dümmlichen und oft verdrießlichen Hundes.

 

Dr. H.G. Ludwig Reichenbach äußert sich wie folgt: "Die Rasse hat bei der Haltung in Stuben, wozu sie allein fähig ist, viel Unangenehmes, das ausdruckslose Gesicht steht allerdings mit einem Mangel an geistigen Fähigkeiten in Verbindung, dazu kommt, dass diese Hunde leicht von Räude, Gicht, Blindheit und Hundswut befallen werden, dass sie ferner, besonders wenn sie einige Jahre alt sind, äußerst viel bellen und knurren, gegen Hunde immer falsch und bösartig sind, weshalb sie heutzutage immer seltener werden, obwohl sie ein sehr hohes Alter erreichen."

 

Dr. Friedrich Walther stellt fest: "Er ist ein Bullen­beißer im Kleinen, wenig lebhaft, pflanzt sich auch nicht häufig fort, wie es scheint, etwas dumm, mit anderen Hunden verglichen."

Und Brehm schreibt bekanntermaßen: "Die Welt wird nichts verlieren, wenn dieses abscheuliche Thier den Weg allen Fleisches geht."

 

Es folgte eine lange Zeit des Vergessens. Der Hund ver-schwand aus dem Stadtbild, nur wenige Züchter blieben ihm treu und ebenso wenige Hundefans. Er wurde ein Hund der Egozentriker, die mit ihm eher ein Lebensgefühl ausdrücken wollten als einen Hund zu halten. Nur das Design stand noch im Vordergrund. Der Rassestandard wurde mehr und mehr ins Extrem interpretiert. Je abstruser, desto mehr fiel man bei der Show auf. Der Richterstand muss sich hier sicher den Vorwurf gefallen lassen, diese Entwicklung maßgeblich gefördert zu haben.

 

Ausgerechnet der Krieg, der die wenigen Zuchttiere nochmals dezimierte, verhalf dem Mops abermals zu Pinscheranteilen. Er gewann neu an lebensspendendem Hundeformat, was ihm aber alsbald wieder gründlich "ausgetrieben" wurde. Die Präferenz lag nun mal auf Exzentrik und dabei blieb es. Die Reichen und Schönen zeigten sich mit Mops und wurden mit launigen Sprüchen zum Unhund an ihrer Seite in den Gazetten abgebildet.

 

Insgesamt war es eine verschwindend geringe Zahl, was die Geburtenrate der Möpse anging und lange blieb vergessen und verborgen, was Menschen aus dem liebenswerten und einst so agilen Hund gebastelt hatten.

  

 

der absturz, teil 2

 

Dann geschah es ein zweites Mal - Die Menge besann sich auf den Mops.

 

"Men in Black" und der sprechende, skuril-glubschäugige Frank rückten den kleinen Hund wieder ins Bewusstsein der breiteren Masse. Nach einem brutalen Beißvorfall in Hamburg wurde der Mops wieder restlos modern. Der Bürger wollte in Zeiten des Hundehasses den als harmlos deklarierten rundköpfigen Hund, vor dem niemand Furcht zu haben brauchte und die Welpenzahlen explodierten.

 

Darf man sich bei alldem fragen, ob es da Parallelen gibt vom Biedermeiermops zum heutigen Standardmops? Würden Reichenbach und Walther heute wieder ähnlich befinden wie vor 200 Jahren? Ist der Mops nicht schon wieder im Bürgertum angekommen, wird wieder wenig hundgerecht gehalten wie bei den Damen der Biedermeierzeit, krankt an Räude, Krämpfen, Blindheit und erträgt all das mit fast ausdruckslosem Gesicht? Ist er nicht in vielen Fällen ein Hund, der im Vergleich mit anderen oft nicht gerade der hellste Kopf ist? Und kläfft er nicht leicht wegen jedes Blödsinns?

 

Der Boom brachte mit sich, dass ungekannte Zahlen von röchelnden kleinen flachgesichtigen Hunden präsent wurden und das Mopsproblem der Brachycephalie damit zu einer Art "Volkskrankheit" avancierte. Menschen, die vorher nur "normale" Hunde kannten, und darauf gebaut hatten, "dass die Züchter das schon alles passend gezüchtet haben", mussten sich eines Besseren belehren lassen – die Qualzucht des Mopses wurde publik.

 

Ahnungslose Käufer wurden zu Patientenbesitzern! Ein Skandal? Nun ja – noch ist das nur die Spitze des Eisbergs. Wer als Mopsbesitzer nämlich wagte, das Leid seines Hundes (und die damit einhergehende  finanzielle Belastung das Budgets viá TA- Rechnungen) zu beklagen, musste sich sagen lassen, dass er offensichtlich einen Mops nicht verdiente und pekuniär als Mopsbesitzer nicht geeignet war!

 

 

 

 

in der gegenwart angekommen

 

 

Die Tiermediziner weiten ab da Nasenlöcher, amputieren Nasenfalten, kürzen Gaumensegel, verkleinern Lidspalten – sie behandeln die demodektische Räude, von Ohrmilben gemarterte viel zu enge Gehörgänge,  Ekzeme in allerlei tiefen Falten, Allergien, Krampfanfälle. Sie entfernen in viel zu kurzen Schnauzen Zähne, die nicht mehr hineinpassen und zu Zysten und schmerzhaften Entzündungsprozessen führen. Sie spülen Analdrüsenbeutel, die sich nicht entleeren. – Waren das alles früher schon die Ursachen für die Übellaunigkeit und Unberechenbarkeiten der Möpse wie Reichenbach sie vor 200 Jahren bei den älteren Tieren der Rasse bescheinigt?

 

Krankenberichte füllen die einschlägigen Foren – was aber nicht heißt, dass nach Änderung des Zuchtstandards gefragt würde. Man bejammert zwar jeden armselig verreckten Hund – aber das heißt ja lange nicht, dass die Zucht anzuzweifeln wäre. Op’s und Heilmethoden werden publiziert und weiterempfohlen wie Strickmuster und man wünscht sich salbungsvoll "gute Besserung" und "schnelle Heilung" für "die kleinen Grunzkäfer"…. – als wären Hunde dazu gemacht,  passend operiert zu werden.

 

Der malade Mops wird währenddessen in einer Art Puppenwagen umhergekarrrt, nicht selten direkt zum nächsten "Mopsevent".

 

 

Bis heute sucht man mit selbstgestrickten Pullovern oder bunten Schlauchschals, die um die ohnehin zu kurzen Hälse gewunden werden, weitverbreiteten "Erkältungsproblemen" des Mopses genauso entgegenzuwirken wie mit Knob-lauch, Ecchinaceapräparaten oder Vitamin C. Dass das Problem wie viele andere ganz einfach seine zu extreme Zuchtform ist, wird vehement verdrängt.

 

Der Mops erduldet still mit fast unbewegtem Gesicht, was ihm da angetan wird, während seine Fans ihm immer neue Menschlichkeiten andichten und ihn seinem eigentlichen Wesen als Hund mehr und immer noch mehr entrücken.

 

 


 

Und dann ist da seit 2006 der ZKR Retromops!

 

Der Mops, dessen Ursprung nicht zu verifizieren ist - weder seine Herkunft noch seine Abstammung wurden bislang nachgewiesen - wird nach Einkreuzung verschiedenster Rassen in seiner Geschichte (die Rede war von Bulldoggen, Pinschern und Pekinesen) also abermals mit einem Hund fremder Rasse reanimiert.

 

 

Diesmal hauptsächlich mit anteiliger Einzucht von Parson Russell statt Pinscher – prinzipiell also wieder einem Hund, der mit Statur und Genpool mehr als nur viel für den Mops zu bieten hat. Das Ergebnis ist das Bekannte – ein einmal mehr revitalisierter Mops. Fähig seiner Bestimmung als Begleithund gerecht zu werden.