Das Buch zum Retromops...

von Gisa Kleinschmidt

 

 

Das Buch zum Retromops ist im Wulff-Verlag erschienen und beantwortet nun endlich auch in gebundener Form viele Fragen rund um den Retromops, Welpen, Zucht und Aufzucht, Gesundheit und Pflege. Außerdem behandelt es in einem Special das Thema Rundköpfigkeit.

 

Es handelt sich um ein Taschenbuch, broschiert, im DinA-5-Format, welches reich mit farbigen Bildern ausgestattet ist und auf 78 Seiten umfassend und verständlich informiert. 

 

Das Buch kann direkt bestellt werden bei:

 

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Buchauszug...

Genetische Vielfalt – Warum?

 

In der Natur basiert die Fortpflanzung auf dem Prinzip größtmöglicher genetischer Vielfalt. Um dieses Ziel zu erreichen, bedient sie sich der Möglichkeit der ständig neuen Zusammenstellung und Vermischung von genetischen Möglichkeiten durch Sexualität.

 

Die optimale genetische Vielfalt wird erhalten durch harte Selektion der Sexualpartner auf Leistungsfähigkeit, was Fitness und bestmögliche Anpassung eines Individuums an seine Umwelt betrifft.

 

In früheren Zeiten hat man Hunderassen genau auf diese, im Grunde der Natur sehr nahe kommenden Zielen hin gezüchtet. Man selektierte dabei aber auf bestimmte Nutzabsichten wie das Hüten, das Jagen oder den Schutz von Haus und Hof aus. Und man festigte dabei bestimmte erwünschte Eigenschaften über Engzucht, Inzucht und Inzestzucht. So entstanden aus den Allroundern der alten, sich frei fortpflanzenden Hundepopulation die ersten Spezialisten.

 

Diese Auslese der alten Züchter war sehr sinnvoll und in vielen Fällen vor allen Dingen hilfreich. Die genetische Vielfalt der Rassen war noch groß und die Gesundheit der einzelnen Individuen entsprechend gut. Hinzu kam ein bedeutender Umstand. Die Selektion der Hunde richtete sich hart und unerbittlich auf ihre Funktionalität. Wer kränkelte oder in irgendeiner Form nicht arbeitsfähig erschien, fiel der Merze zum Opfer. Dieser Faktor ersetzte unerbittlich die Selektion, die früher Mutter Natur getroffen hatte. (Die Merze ist in unserer Zeit selbstredend inakzeptabel. Soll aber hier angeführt werden, um den damaligen Auswahldruck zu verdeutlichen, der an Stelle der natürlichen Selektion getreten war.) Weiterhin waren damals die Züchter frei in der Entscheidung, zur Verbesserung ihrer Zuchtergebnisse Fremdrassen einfließen zu lassen. Auch dies brachte den Variationsmöglichkeiten durch Vergrößerung der genetischen Vielfalt nur Vorteile.

 

Dann kam eine Wende.

 

Heute gibt es zwar viele Hunderassen, kaum eine wird jedoch für den Gebrauch gezüchtet. Der wichtige Faktor "Gebrauchs-fähigkeit" als Existenzgrundlage fiel weg. Mehr und mehr wurde auf Aussehen selektiert. Extreme wurden zu Zielen in der Zucht. Die Hunde wurden zu Riesen oder zu Zwergen. Das Haar wurde entweder überlang oder ganz weggezüchtet. Körperformen und Fellfarben schienen ein Spielball des Schöpfers Mensch zu werden...

Der Gesundheitsaspekt fiel unter anderem wegen der fehlenden Notwendigkeit zur Auswahl auf Leistungsfähigkeit all zu leicht unter den Tisch.

 

Leider kam dann der nächste Schritt, den man von heutiger Warte aus bedauern kann. Die Zuchtbücher wurden geschlossen. Dies bedeutet, dass Züchter nicht mehr auf Hunde aus anderen Rassen zurückgreifen durften, wenn sie als reinrassig anerkannte Hunde züchten wollten, was zuvor zum Wohle der jeweiligen Rasse durchaus statthaft war. Mehr noch - Rassen, die früher nicht getrennt betrachtet wurden, wurden zudem aufgespalten, wie beispielsweise die Pinscher und Schnauzer. Auch sie durften nicht mehr untereinander vermischt werden. Der einst so vielfältige Genpool wurde also im Verlauf der Zeit immer mehr aussortiert und aufgespalten. Wechselnde Moden, aber auch Kriege ließen immer wieder neue Flaschenhälse entstehen, durch die die Rassen zu gehen hatten.

 

Aus dem Gen-See "Mischlingsurhund" wurde ein Waschzuber "Arbeitsrassen" an genetischen Möglichkeiten herausgefiltert. Aus diesem Zuber wiederum ein Eimer "Showhunde"…

 

Stellt man sich nun vor, dass das Genom des heutigen Rassehundes - also die Gesamtheit aller Erbmöglichkeiten - aus einem Eimer voller Bausteinen besteht, so hat mein ein gutes Bild. Jedes dieser Steinchen stellt mindestens eine, meist in sich gefächerte Veranlagungen dar und hat zudem Einfluss auf bestimmte andere Bausteine im Eimer. Je weniger Bausteine im Eimer sind, umso weniger Kombinationsmöglichkeiten der Steine untereinander gibt es und umso gleichförmiger wird demzufolge das Bauergebnis. Steine, die einmal aus der Masse des Inhaltes entfernt wurden, sind in diesem geschlossenen System unwiederbringlich verloren.

 

Leider geht mit jeder fehlenden theoretischen Kombinationsmöglichkeit aber auch ein ganzes Stück Gesundheit verloren. Und die Gefahr wächst, dass die Steinchen sich zu krankmachenden Kombinationen zusammen finden.

 

Früher haben die Züchter gedacht, sie könnten über Inzuchtverpaarungen bestimmte Krankheiten, die verdeckt beständen, sichtbar machen. Eigentlich ist es aber so, dass sie durch das Zusammenführen zwei gleich veranlagter Zuchtpartner eine Krankheit zum Ausbruch brachten, die bei einem Partner mit einer anderen Genvariation gar nicht hätte auftreten können. Je größer die genetische Vielfalt ist - je mehr Bausteine im Eimer sind - desto größer ist die Chance, dass Individuen entstehen, die gesund leben können, weil ihre Genkombination keine Krankheit hervor brachte.

 

Deswegen ist die genetische Vielfalt von so immenser Wichtigkeit. Und deswegen ist es für unsere Hunde so wichtig, von Engzucht in jeder Form - sei es nun Linienzucht, Inzucht oder Inzestzucht - so weit wie möglich abzurücken, wenn es dabei nur um Gleichmacherei zwecks erstrebter Ausstellungserfolge geht.

 

Bedauerlicherweise kann ich hier nur Teile der Problematik ausführen und auch Begleitaspekte (wie beispielsweise die heute vielfältigen Möglichkeiten über medizinische Behandlung von Hunden, die so zur Zucht eingesetzt werden können, hingegen früher niemals zum Zuge gekommen wären) nicht ausreichend mit in Augenschein nehmen.