Hunde sind keine Knetmasse!

 

Eine Stellungnahme von Gisa Kleinschmidt - Begründerin der Retromopszucht

 

Hunde sind keine Knetmasse... - ein Appell anlässlich der aktuellen Dikussionen um ein Zuchtverbot für den Mops

 

Es gibt aktuell über 340 Hunderassen, die sich in Größe und Aussehen, aber auch in Charakter und Temperament unterscheiden.

So sind natürlich im Rahmen eines Rassebildes vor allem zunächst Größe und Aussehen beschrieben - wobei immer Spielräume in der Interpretation dieser Beschreibungen bestehen, was letztendlich in den Showzuchten bedauerlicherweise die Überbetonungen einzelner Punkte hervorbrachte, unter denen die Rassen heute leiden. Die einen mehr, die anderen weniger.

 

Wenn man in der Zucht vom Charakter oder Wesen einer Rasse spricht, so meint man damit bestimmte, in der Rasse gefestigte Eigenschaften, die man als zukünftiger Halter bei seinem Hund erwarten darf - aber eben auch beachten muss, wenn man mit dem Hund glücklich sein will und auch seinen Hund seinem Wesen gerecht werdend halten möchte. - Dieser Umstand ist sicher nicht weniger wichtig als das äußerliche Rassebild, was viele Laien bis heute nicht verstanden haben, die sich einen Rassehund nur nach dem äußeren Erscheinungsbild aussuchen und dann mit seinen charakterlichen Eigenarten nicht zurechtkommen.

 

Der Charakter und das Wesen werden bestimmt durch die Geschichte der jeweiligen Rasse - so ticken Hütehunde völlig anders als Schutzhunde oder Jagdhunde, eben weil sie für völlig verschiedenen Lebensumstände so gezüchtet wurden. Und so unterscheiden sich auch die Gesellschaftshunde wiederum von Gebrauchshunderassen erheblich. Sonst könnte man ja quasi mit jedem Hund alles bewerkstelligen und es wären niemals so viele verschiedene Rassen durch die Zucht entwickelt worden. Die Jahrhunderte lange Ausrichtung der Rassen auf bestimmte Ziele formte auch ihr Wesen.

 

Was passiert, wenn man das Wesen einer Rasse nicht sorgsam behütet? Malcolm B. Willis - einer unserer großen Genetiker (eines seiner vielbeachteten Fachbücher heißt: Genetik der Hundezucht) - gibt darauf die Antwort, dass das Wesen einer Rasse nur bis zu 30% vererblich sei. Deswegen ist es so wichtig, die erwünschten Eigenschaften sorgsam zu behüten. Dies berührt im Besonderen die Gebrauchshunde, die ursprünglich lebensnotwendig ihre Spezialbegabungen besitzen mussten.

 

In der Erkenntnis dieser Umstände liegt aber eben auch die Fehlentscheidung, dass man im 18. Jahrhundert dachte, man täte gut daran, alle Rassen strikt nur noch innert der eigenen Rasse weiterzuzüchten. Man schloss die Zuchtbücher, ohne zu wissen, dass die Rassen ab diesem Zeitpunkt unweigerlich genetisch verarmen würden. (Genetische Verarmungen gehen aber unweigerlich mit einem Verlust an Fitness und Gesundheit der Rassen einher.) Blutauffrischungen durch Vertreter anderer Rassen wurden ab da nur noch unter der Hand oder in Notzeiten durchgeführt. So auch beim Mops, der nach dem Krieg mangels Zuchttieren in Deutschland die Einzucht des Pinschers erfuhr. 

 

Leider wurde danach in den Mops-Vereinen strikt auf Nasenlosigkeit und gedrungene Körperformen selektiert, da Züchter und Käufer offenbar hemmungslos dem sogenannten Kindchenschema (kindlich anmutende runde Formen) frönten. Was besonders ungut war, da der Mops in seiner weltweiten(!) Existenz auf ganzen 50 Ausgangstieren beruht, wie es eine Studie des Imperial College in London für die 10000 Möpse in seinem Mutterland England belegt. Es ging und geht also genetisch bei der Rasse Mops enorm eng zu!

 

Wie bekannt ist, tritt der ZKR seit mehr als einem Jahrzehnt deswegen für eine gelenkte, nonterminale und diskontinuierliche Einzucht von klar definierter Fremdrasse (derzeit Parson Russell, Pinscher und Beagle) unter Rückzucht auf den Mops ein, um einerseits dem Mops ein beschwerdefreies Leben ohne Qualzuchtmerkmale zu ermöglichen - andererseits aber auch das Bild des Mopses ohne Übertreibungen ebenso zu erhalten wie sein einzigartiges Wesen. Dies wurde und wird bis heute vom VDH abgelehnt und als Unding abgetan, obwohl zum Beispiel eine genetische Fachperson wie Frau Professor Sommerfeld-Stur aus einem Artikel von 10/2014 im Hundemagazin WUFF so zitiert wird: "... wenn in einer geschlossenen Population, wie es eine Hunderasse ist, Gene verloren sind, dann ist das ein unwiderruflicher Verlust. Die einzige Möglichkeit, verlorene Gene wieder zu bekommen ist eine Einkreuzung." 

 

Unser Zuchtweg ist absolut nicht neu - wurde aber im Großen und Ganzen wegen eben des alten Fehlers von Hundezüchtern in einer Zeit, wo man von Genetik oder auch Populationsgenetik gar nichts wissen konnte, schlicht und einfach versperrt. 

 

Als ich meinen "neuen" alten Weg der Öffentlichkeit vorstellte, prallte mir blanke Ablehnung der Mopszüchter und -liebhaber entgegen, weil man befürchtete, einen Mops mit Terriercharakter zu erhalten. Der Anteil der Fremdrasse wurde aber zugunsten des Mopsanteiles auch immer wieder verdrängt. Nicht jeder Hund einer Rasse trägt zudem gleich hoch die speziellen Veranlagungen seiner Rasse (deswegen werden ja beispielsweise im Jagdgebrauch Tauglichkeitsprüfungen abgehalten und die "unbegabten" Hunde ausgesondert), sodass man auch hier eine Wahl treffen kann. Der Mops, der ja nie ein spezialisierter Arbeiter, sondern stets lediglich Begleiter war, hatte hier nichts zu verlieren - außer seiner liebenswürdigen, sanftmütigen Unspezialisiertheit. Er gewann aber an Atemkapazität und Agilität, sowie an mehr funktionabler Körperlichkeit insgesamt, wie weniger runden Köpfen mit mehr Schnauze, offeneren Nasenlöchern, tieferen Augenhöhlen, längeren Hälsen, längeren Rücken, längeren Beinen und strafferem Bindegewebe. Wobei auch jene Tiere , die nicht an die sehr deutliche Schnauzenverlängerung herankommen, ebenfalls deutlich gesundheitlich von all den anderen Positiva profitieren, weil Schnauze allein eben auch kein gesundheitlicher Garant mit Alleinstellungsmerkmal zu sein vermag. Da letztlich immer wieder auf die Rasse Mops zurückgekreuzt wurde, blieb unserem ZKR Retromops dabei absolut sein liebenswertes Mopswesen erhalten.

 

Sie fragen sich nun, warum ich all dies vor Ihnen ausbreite...

 

Nun - die neuen Entwicklungen in unserem europäischen Nachbarland und der auch hier immer lauter werdende Schrei nach einer "Ad-hoc-Veränderung" der Mopssilhouette widerspricht all dem Vorerwähnten, WEIL HUNDE KEINE KNETMASSE SIND.

 

Zuchtlaien mögen sich das Ganze recht simpel vorstellen - das ist es aber eben nicht! So kann man keine Rasse retten - man zerstört sie. Dies scheint besonders den Zuchtlaien ganz und gar nicht klar zu sein! Zucht unter Berücksichtigung aller wichtigen Aspekte braucht vernünftige Voraussetzungen und vernünftige Vorgaben (und dazu würde halt zunächst Mopszucht mit Fremdeinfluss auf Möpse mit bis zu 30% Schnauzenanteil gehören, die fallen nicht einfach vom Himmel) und erst dann weitere Ziele in vernünftigen Zeitspannen. 

 

Eine Rasse, die auf 50 Einzeltiere zurückgeht und mit großer Wahrscheinlichkeit zu 40% eine tödliche Krankheit wie die PDE in sich trägt, kann man nicht auf ein einzelnes Merkmal (Schnauze) hin auf Biegen und Brechen selektieren! 

 

Nochmals: Wir haben im ZKR, unter Berücksichtigung aller oben ausgeführter Punkte, bereits die Mehrzahl der Hunde mit Schnauzenanteilen bis knapp unter 30%, einige mit weniger Schnauze, die trotzdem bislang bei guter Gesundheit sind und einige wenige, die 34 - 35% Schnauze vorweisen. Hunde, die damit nachweislich gut und gesund leben - dabei aber eben auch noch mopstypisch sind. Dies zu erreichen muss meiner Ansicht nach zunächst das Ziel für den gesamten Mopsbestand sein (und auch sein dürfen), um eine breite Basis für den nächsten Schritt der Weiterzucht zu erhalten. Sonst werden wir den Mops genetisch schlicht verlieren, obwohl es diesen Weg ja gibt. 

 

Der Mops muss es uns allen (Züchtern, Käufern und Gesetzgebern) wert sein, besonnen und sachlich, aber entschlossen mit der Misere umzugehen und sie so zu bewältigen. Von Zuchtlaien würde ich mir hingegen wünschen, dass sie nicht im Brustton der Überzeugung - aber ohne jegliches Hintergrundwissen - Äußerungen tätigen und Forderungen stellen, die sie bei Kenntnis aller Fakten so nicht vertreten würden. Dass sich etwas ändern muss, steht fest - aber das Kind mit dem Bade auszuschütten hat noch nie etwas Gutes hervorgebracht. Sich gar den Tod einer sehr alten Rasse zu wünschen, die auch Kulturerbe der Menscheit ist, halte ich für unverzeihlich - weil es einen guten und gangbaren Ausweg gibt!

 

Gisa Kleinschmidt ZKR Retromopszucht vom Bromberg

 

 

 

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